Hintergrund

 Das Klanghoroskop: Hintergrund

1. Wie wird es gemacht

Für die Vertonung eines Horoskopes sind mehrere Schritte notwendig. An erster Stelle steht die Berechnung des Horoskopes,  anschliessend werden die Horoskop-Daten mit dem Computer-Programm "Midiplanetarium" von Prof. Dr. Wolfgang Martin Stroh in Midi-Daten umgewandelt ("Musical Instrument Digital Interface", ein Datenübertragungsprotokoll). Diese Daten werden dann von einem professionellen Computerprogramm zur Erstellung und Bearbeitung von Tondateien empfangen, welches damit die hörbaren Klänge generiert. Anschliessend werden diese Daten gemischt, in ein herkömmliches Audio-Format umgewandelt und schlussendlich auf eine CD gebrannt. Die Umwandlung des Midi-Streams in musikalische Daten geschieht in Echtzeit, dauert also gut 60 Minuten.

Die Klänge, die Sie auf der CD hören, sind speziell für diese "Musik" designt und sollen dazu verleiten, sich ohne musikalische Konzepte auf die Schwingungen des Horoskopes einzulassen. Ich habe auch mit anderen Klängen experimentiert. Eine Version mit einem hochwertig digitalisiertem Konzertflügel ist durchaus spannend zu hören. Allerdings fallen beim Flügel die Microtonschritte und damit die hörbaren Schwebungen weg. Das Ergebnis tönt zwar sehr ansprechend, ist aber astronomisch nicht ganz korrekt. Auf Wunsch kann ich aber ein Horoskop auch auf diese Weise generieren. Hören Sie hier ein Klangbeispiel mit Klavier:

Ausschnitt Horoskop-Vertonung Glenn Gould, mit digitalisiertem Flügel

2. Das kosmische Gesetz der Oktave

(Entnommen aus dem Handbuch des Midiplanetarium)

Das MIDI-Planetarium geht davon aus, daß der Mensch holistisch in den Kosmos eingebettet ist und daß diese Tatsache für den Menschen von Bedeutung sein kann. Diese Bedeutung erschließt sich nicht von selbst, sondern muß vom Menschen "geschaffen", erarbeitet oder erfahren werden. So wird diese Bedeutung individuell wirksam, etwa in einer astrologischen Beratung, beim Meditieren zum nächtlichen Sternenhimmel ... oder aber beim Hören geeigneter Musik. Pythagoras hatte die Vorstellung, daß die von Menschen auf Instrumenten gespielte Musik (die harmonia instrumentalis) ein Abbild der kosmischen Musik, der Sphärenmusik (harmonia mundana) darstellt und deshalb auf den Menschen positiv wirken kann, weil Gesundheit (harmonia humana) als harmonisches Übereinstimmen von Mensch und Kosmos betrachtet wurde. Gerät der Mensch "außer Harmonie", so vermag er sich,wenn Instrumentalmusik erklingt, möglicherweise wieder in die Harmoniedes Kosmos "einschwingen"...

Johannes Kepler hat zu Beginn der Neuzeitversucht, die pythagoreische Idee christlich umzuformulieren und mit naturwissenschaftlichenMethoden zu überprüfen. Er suchte in den von ihm gesammelten Daten über die Bewegung von Himmelskörpern Proportionen, die einfachen musikalischen Intervallen entsprechen. Er wurde seiner Meinung nach fündig - und bis heute ist es eine Glaubensfrage geblieben, ob die von ihm gefundenen Proportionen nun wirklich das kosmische Gesetz des Himmels darstellen oder doch nur Projektionen des Menschen sind. In den zahlreichen Modellen, die Kepler gedanklich durchgespielt hat, spielen Geschwindigkeiten, Umlaufzeiten und Winkelgeschwindigkeiten eine große Rolle.

In den70er und 80er Jahren unseres Jahrhunderts hat Hans Cousto nach einem allgemeinen Gesetz gesucht, das alles, was sich periodisch im Himmel und auf Erden bewegt, miteinander in Verbindung bringt. Er formulierte das "kosmische Gesetz der Oktave" (in Cousto's Worten: das"Gesetz der kosmischen Oktav"), das besagt, daß alle periodischen Bewegungen, die durch "Oktavierung" auseinander hervorgehen, miteinander wirkungsverwandt sind.

"Oktavierung" bedeutet, daß die Periode halbiert bzw. die Frequenz verdoppelt wird. Die für den Menschen wichtigsten Perioden sind der Tag (Drehung der Erde um ihre Achse), das Jahr (Drehung der Erde um die Sonne), der Mond-Monat (Drehung des Mondes um die Erde). Astrologisch wichtig sind noch die durch die Drehung der Planeten um dieSonne entstehenden Perioden sowie die scheinbaren Perioden, die man von der Erde aus beobachten kann. Hans Cousto hatte die Idee, beispielsweise die Periode der Bewegung der Venus um die Sonne (19414149 sec) 32 mal zu halbieren, so daß die sehr kleine Zeit von 1/221 sec entsteht. DieseZeit ist die Periode einer Schwingung von 221 Hz. Einen Ton mit dieser Frequenz nannte Cousto "Venuston". Auf diese Weise erhielt Cousto die in den 80er und 90er Jahren in der Eso-Szene recht bekannt gewordenen "Planetentöne", von denen das MIDI-Planetarium allerdings meistens die geozentrischen verwendet:

Planetentabelle

Während die Berechnung der Planetentönerelativ einfach und im Grunde eine reine Angelegenheit der Mathematik ist, ist die These, daß Erscheinungen, die "oktavverwandt" sind, auch"wirkungsverwandt" sind, eher eine Glaubens- oder Erfahrungssache. Das MIDI-Planetarium vertritt angesichts dieser These einen "erfahrungsbezogenen"Ansatz. Es bietet Menschen die Möglichkeit, musikalische Erfahrungen zu machen, ohne vorauszusetzen, daß ein mehr oder minder fester Glaube vorliegt. Das 1996/97 an der Universität Oldenburg durchgeführte Forschsungsprojekt zum MIDI-Planetarium, bei dem 55 "Versuchspersonen" ihre Erfahrungen beim mehrfachen Hören einer Horoskopvertonung mithilfe des MIDI-Planetariums protokollierten, hat eine breite Palette möglicher Erfahrungen und Selbsterfahrungen gezeigt - und damit bewiesen, daß tiefgehende Erfahrungen möglich, aber nicht zwingend vorhanden oder automatisch abrufbar sind.

Nachdem Hans Cousto's Planetentöne ausgiebig durch die Eso-Szene gegeistert waren, nachdem Joachim Ernst Berendt seine Urton-Cassetten eingespielt, zahlreiche Chakren-Therapien die Planetenstimmgabelnb enutzt, Hans Cousto selbst seine Spezialfrequenzen in Brainmachines und bei Techno-Parties eingesetzt hatte, hat Wolfgang Martin Stroh mittels des Computerprogramms MIDI-Planetarium die "Gretchenfrage" gestellt: ist das kosmische Gesetz der Oktave musikalisch tragfähig? Bis dahin wurden Planetentöne stets nur "einzeln" eingesetzt, zum Beispiel als "Kammerton" eines Musikstücks, als Stimmung eines Monochordes oder Gonges oder einer Stimmgabel. Mit dem MIDI-Planetarium werden die Töne mehrerer Gestirne so, wie wir es vom Sternenhimmel und Horoskop her gewohnt sind, zueinander in Beziehung gesetzt. Die Planeten-Frequenztabelle zeigt jedem einigermaßen Kundigen, daß hierbei keine harmonische Musik im herkömmlichen Sinne zu erwarten ist, denn Terzen, Quinten oder Dreiklänge gibt es hier nicht!

Das MIDI-Planetarium geht noch einen Schritt weiter: Es verwendet nicht nur die Grundtöne der Gestirne eines Horoskops, sondern auch die nach demselben Gesetz der kosmischen Oktav abgeleiteten Rhythmen der Gestirne. Daher setzt sich die entstehende Musik nicht nur aus 11 relativ ungewöhnlichen Frequenzen, sondern auch aus 11 ebenso unterschiedlichen Rhythmen zusammen. Diese "polyrhythmische" Überlagerungkann nur noch durch einen Computer realisiert werden. Rein mathematisch entsteht ein "Planetenrhythmus" dadurch, daß die "Oktavierung" (sprich:Halbierung der Periodendauer) nur solange fortgesetzt wird, bis sich eine Zeitspanne im Bereich von 1 bis 4 Sekunden ergibt. Im Falle der erwähnten Venus erhielte man beispielsweise nach 22 Oktaven die Dauer von 4,628 sec.

Nach dem kosmischen Gesetz sind Töne, die eine oder mehrere Oktaven auseinander liegen, wirkungsverwandt. Dasselbe gilt für Rhythmen, die durch Halbierung oder Verdoppelung auseinander hervorgehen. Im MIDI-Planetarium können daher alle Töne auch durch oktavverwandte und alle Rhythmen durch doppelte oder halbe Rhythmen ersetzt werden. Insbesondere für den rhythmischen Bereich wird diese Art der Verwandtschaft extensiv genutzt. Wählt man, um beim Venus-Beispiel zu bleiben, als Grund-Rhythmus 4,628sec, so erklingt die Venus natürlich erheblich seltener als wenn 2,314oder gar 1,157 sec gewählt wären. Die Wahl des Rhythmus bestimmt die Tondichte und gleichsam die "Präsenz" eines Gestirns.

Das MIDI-Planetarium erweitert die Überlegungen Hans Coustos, indem es die Idee von der kosmischen Oktav auf die gesamte Obertonreihe ausdehnt. Ein Gestirn ist nicht nur durch seine Grundfrequenz, sondern durch die Frequenzen von 32 Obertönen repräsentiert. Die Intervalle zwischen einem Ober- und dem Grundton werden numerisch gesehen immer größer(1, 2, 3, 4, usw.), musikalisch gesehen wächst aber auch die Energie, die aufzubringen ist, um vom Grund- zum Oberton zu gelangen. Dieses Energieverhältnis wird im MIDI-Planetarium ausgenutzt. Das MIDI-Planetarium verwendet 32 Obertöne (5 Oktaven), eine etwas willkürliche, technisch abereinigermaßen beherrschbare Lösung.

Mehr Informationen zum Midiplanetarium finden Sie auf der Homepage des Midiplanetarium, Uni Oldenburg